Warum IT-Kosten der blinde Fleck im Budget jedes KMU sind.
Für CEOs, Geschäftsführungen und Verwaltungsräte. Der Auftakt unserer fünfteiligen Reihe — über den drittgrössten Kostenblock im KMU, den niemand wirklich kennt.
Für CEOs, Geschäftsführungen und Verwaltungsräte. Der Auftakt unserer fünfteiligen Reihe — über den drittgrössten Kostenblock im KMU, den niemand wirklich kennt.
Sie kennen Ihre Lohnkosten auf den Rappen. Sie wissen, was Ihre Bürofläche pro Quadratmeter kostet, was Ihr Fuhrpark verschlingt und was Sie letztes Jahr für Weiterbildungen ausgegeben haben. Zahlen, die im Budget stehen, die geplant, genehmigt und kontrolliert werden.
Aber was kostet Ihre IT?
Nicht die Zahl, die Ihr IT-Verantwortlicher nennt, wenn Sie fragen. Sondern wirklich: alle Software-Abonnemente, die Ihre Mitarbeitenden irgendwo abgeschlossen haben. Die Cloud-Dienste, die sich automatisch verlängern. Die Lizenzen für Mitarbeitende, die längst nicht mehr im Unternehmen sind. Den externen Dienstleister, den die Buchhaltung unter «Beratung» verbucht. Die Hardware, die niemand mehr benutzt, aber für die noch Support bezahlt wird.
Wenn Sie auf diese Frage keine belastbare Antwort haben, sind Sie in guter Gesellschaft. Und in schlechter.
IT ist in den letzten zehn Jahren still und leise zum drittgrössten Kostenblock in vielen Schweizer KMU geworden — nach Personal und Miete, noch vor Marketing und Fuhrpark. Das überrascht die meisten Geschäftsführer, wenn sie es zum ersten Mal schwarz auf weiss sehen.
Der Grund dafür ist nicht, dass IT teurer geworden wäre. Der Grund ist, dass IT unsichtbarer geworden ist.
Früher stand ein Server im Keller. Man wusste, was er gekostet hatte, was der Wartungsvertrag lief und wann er abgeschrieben war. Heute verteilen sich die IT-Ausgaben auf Dutzende von monatlichen Abbuchungen: CHF 12 hier, CHF 49 dort, CHF 299 pro Monat für das CRM, CHF 15 pro Nutzer für den Cloud-Speicher. Jede einzelne Zahl wirkt harmlos.
Das ist kein IT-Problem. Das ist ein Führungsproblem.
Es gibt nicht den einen Moment, in dem ein KMU die Kontrolle über seine IT-Kosten verliert. Es passiert graduell, über Jahre, durch eine Kombination aus drei Mechanismen:
In einem wachsenden KMU kaufen Abteilungen ihre Tools selbst — schnell, unkompliziert, mit der Firmenkreditkarte. Die Marketing-Abteilung abonniert ein Design-Tool, der Vertrieb ein neues CRM-Modul, die HR ein Bewerbermanagement-System. Jede Entscheidung für sich ist rational. Zusammen ergeben sie ein Portfolio, das niemand mehr vollständig überblickt.
SaaS-Anbieter haben die Psychologie des Schweigens perfektioniert: Wer nicht aktiv kündigt, verlängert. Und in einem gut beschäftigten KMU kündigt selten jemand aktiv — weil niemand eine Liste führt, wann welches Abo ausläuft.
Ein erheblicher Teil der IT-Ausgaben taucht in der Buchhaltung nicht unter «IT» auf. Software-Abonnements werden als «Büromaterial» verbucht, externe IT-Dienstleister unter «Beratung», Telekommunikation in einer eigenen Kostenstelle. Wer nur die Kostenstelle «IT» anschaut, sieht weniger als die Hälfte des echten Bildes.
Fehlende Transparenz bei IT-Kosten ist kein abstraktes Problem. Es hat konkrete Auswirkungen — auf Ihr Budget, auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit und auf Ihre strategische Handlungsfähigkeit.
In einem typischen Schweizer KMU mit 50 Mitarbeitenden lassen sich durch eine systematische IT-Kostenanalyse 20 bis 30 Prozent der laufenden Ausgaben einsparen — ohne auf eine einzige wirklich benötigte Funktion zu verzichten. Das sind CHF 40'000 bis 70'000 pro Jahr, die schlicht und einfach verschwendet werden: für Doppelspurigkeiten, ungenutzte Lizenzen und Tools, die längst durch günstigere Alternativen ersetzt werden könnten.
Wer sein IT-Budget nicht kennt, kann es nicht steuern. Das bedeutet konkret: Fast das gesamte IT-Budget fliesst in den Betrieb des Status quo — in Lizenzen, Support und Wartung. Für Verbesserungen, Automatisierungen oder digitale Innovation bleibt nichts übrig. Andere Unternehmen, die ihren IT-Einsatz gezielt steuern, werden effizienter, schneller und günstiger — während Ihr Unternehmen stillsteht.
Fehlende Transparenz bedeutet auch fehlende Kontrolle darüber, welche Daten wo gespeichert werden. Mit dem revidierten Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) ist das kein theoretisches Problem mehr: Wer nicht weiss, welche SaaS-Tools im Unternehmen genutzt werden, kann nicht sicherstellen, dass für alle entsprechende Verträge und Datenschutzgarantien vorhanden sind.
Sie brauchen keine aufwändige Analyse, um ein erstes Gefühl für Ihre Situation zu bekommen. Stellen Sie sich drei Fragen:
Können Sie heute, ohne jemanden zu fragen, alle laufenden Software-Abonnemente Ihres Unternehmens inklusive Kosten aufzählen?
Wissen Sie, wie viele Lizenzen für Mitarbeitende laufen, die Ihr Unternehmen in den letzten zwei Jahren verlassen haben?
Kennen Sie den Anteil Ihres IT-Budgets, der in Innovation fliesst — im Unterschied zu dem, was schlicht den Betrieb am Laufen hält?
Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen nicht mit Sicherheit beantworten können, haben Sie einen blinden Fleck. Und blinde Flecken kosten Geld — jeden Monat, still und automatisch.
Es braucht kein grosses IT-Department und keine teuren Tools, um die Kontrolle über IT-Kosten zu behalten. Unternehmen, die das gut machen, haben in der Regel drei einfache Dinge im Griff:
Das klingt wenig spektakulär. Es ist auch wenig spektakulär. Aber es ist der Unterschied zwischen einer IT, die das Unternehmen kostet, und einer IT, die das Unternehmen voranbringt.
Sie müssen heute nicht alles wissen. Aber Sie sollten heute den ersten Schritt machen.
Bitten Sie Ihre Finanzbuchhaltung, alle wiederkehrenden Zahlungen der letzten 12 Monate zu exportieren und nach Software, Cloud-Diensten und IT-Dienstleistungen zu filtern. Addieren Sie die Summe. Teilen Sie sie durch die Anzahl Mitarbeitenden.
IT-Kosten pro Mitarbeitender pro Jahr. Sie sagt mehr über den Zustand Ihrer IT als jeder Technikbericht. Schweizer KMU-Durchschnitt: CHF 3'000 bis 4'000. Wenn Ihre Zahl deutlich darüber liegt, wissen Sie, wo zu suchen ist. Wenn Sie die Zahl gar nicht berechnen können, wissen Sie das auch. Beides ist ein Anfang.
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