Zurück zum Blog
TCO-Analyse Geschäftsleitung Teil 02 / 05 · IT-Kosten-Reihe

Warum IT-Kosten der blinde Fleck im Budget jedes KMU sind.

Für CEOs, Geschäftsführungen und Verwaltungsräte. Der Auftakt unserer fünfteiligen Reihe — über den drittgrössten Kostenblock im KMU, den niemand wirklich kennt.

Kostenblöcke · KMU-Budget ? Personal ~45 % Miete ~15 % IT ~12 % Marketing ~8 % Rest Blinder Fleck 3. grösster Kostenblock
TL;DR
Die meisten KMU-Chefs wissen auf CHF 500 genau, was ihr Fuhrpark kostet. Aber was ihre IT kostet — wirklich kostet, inklusive aller versteckten Ausgaben — wissen die wenigsten. Dabei ist IT in einem Schweizer KMU mit 50 Mitarbeitenden oft der drittgrösste Kostenblock nach Personal und Miete. Dieser Artikel zeigt, warum das so ist, was es kostet, und was der erste Schritt zur Kontrolle ist.

Sie kennen Ihre Lohnkosten auf den Rappen. Sie wissen, was Ihre Bürofläche pro Quadratmeter kostet, was Ihr Fuhrpark verschlingt und was Sie letztes Jahr für Weiterbildungen ausgegeben haben. Zahlen, die im Budget stehen, die geplant, genehmigt und kontrolliert werden.

Aber was kostet Ihre IT?

Nicht die Zahl, die Ihr IT-Verantwortlicher nennt, wenn Sie fragen. Sondern wirklich: alle Software-Abonnemente, die Ihre Mitarbeitenden irgendwo abgeschlossen haben. Die Cloud-Dienste, die sich automatisch verlängern. Die Lizenzen für Mitarbeitende, die längst nicht mehr im Unternehmen sind. Den externen Dienstleister, den die Buchhaltung unter «Beratung» verbucht. Die Hardware, die niemand mehr benutzt, aber für die noch Support bezahlt wird.

Wenn Sie auf diese Frage keine belastbare Antwort haben, sind Sie in guter Gesellschaft. Und in schlechter.

Die unbequeme Wahrheit über IT-Kosten in KMU

IT ist in den letzten zehn Jahren still und leise zum drittgrössten Kostenblock in vielen Schweizer KMU geworden — nach Personal und Miete, noch vor Marketing und Fuhrpark. Das überrascht die meisten Geschäftsführer, wenn sie es zum ersten Mal schwarz auf weiss sehen.

Der Grund dafür ist nicht, dass IT teurer geworden wäre. Der Grund ist, dass IT unsichtbarer geworden ist.

Früher stand ein Server im Keller. Man wusste, was er gekostet hatte, was der Wartungsvertrag lief und wann er abgeschrieben war. Heute verteilen sich die IT-Ausgaben auf Dutzende von monatlichen Abbuchungen: CHF 12 hier, CHF 49 dort, CHF 299 pro Monat für das CRM, CHF 15 pro Nutzer für den Cloud-Speicher. Jede einzelne Zahl wirkt harmlos.

CHF 200–300k
jährliche IT-Ausgaben in einem 50-Personen-KMU.
20–30 %
Einsparpotenzial durch systematische Analyse — ohne Funktionsverlust.
CHF 3'000–4'000
Schweizer KMU-Durchschnitt für IT pro Mitarbeitenden und Jahr.

Das ist kein IT-Problem. Das ist ein Führungsproblem.

Warum die Kontrolle verloren geht

Es gibt nicht den einen Moment, in dem ein KMU die Kontrolle über seine IT-Kosten verliert. Es passiert graduell, über Jahre, durch eine Kombination aus drei Mechanismen:

Dezentraler Einkauf ohne zentrale Kontrolle

In einem wachsenden KMU kaufen Abteilungen ihre Tools selbst — schnell, unkompliziert, mit der Firmenkreditkarte. Die Marketing-Abteilung abonniert ein Design-Tool, der Vertrieb ein neues CRM-Modul, die HR ein Bewerbermanagement-System. Jede Entscheidung für sich ist rational. Zusammen ergeben sie ein Portfolio, das niemand mehr vollständig überblickt.

Automatische Verlängerungen als Geschäftsmodell

SaaS-Anbieter haben die Psychologie des Schweigens perfektioniert: Wer nicht aktiv kündigt, verlängert. Und in einem gut beschäftigten KMU kündigt selten jemand aktiv — weil niemand eine Liste führt, wann welches Abo ausläuft.

IT-Kosten im falschen Konto

Ein erheblicher Teil der IT-Ausgaben taucht in der Buchhaltung nicht unter «IT» auf. Software-Abonnements werden als «Büromaterial» verbucht, externe IT-Dienstleister unter «Beratung», Telekommunikation in einer eigenen Kostenstelle. Wer nur die Kostenstelle «IT» anschaut, sieht weniger als die Hälfte des echten Bildes.

Was es Sie kostet, keinen Überblick zu haben

Fehlende Transparenz bei IT-Kosten ist kein abstraktes Problem. Es hat konkrete Auswirkungen — auf Ihr Budget, auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit und auf Ihre strategische Handlungsfähigkeit.

Direkte Kosten

In einem typischen Schweizer KMU mit 50 Mitarbeitenden lassen sich durch eine systematische IT-Kostenanalyse 20 bis 30 Prozent der laufenden Ausgaben einsparen — ohne auf eine einzige wirklich benötigte Funktion zu verzichten. Das sind CHF 40'000 bis 70'000 pro Jahr, die schlicht und einfach verschwendet werden: für Doppelspurigkeiten, ungenutzte Lizenzen und Tools, die längst durch günstigere Alternativen ersetzt werden könnten.

Strategische Kosten

Wer sein IT-Budget nicht kennt, kann es nicht steuern. Das bedeutet konkret: Fast das gesamte IT-Budget fliesst in den Betrieb des Status quo — in Lizenzen, Support und Wartung. Für Verbesserungen, Automatisierungen oder digitale Innovation bleibt nichts übrig. Andere Unternehmen, die ihren IT-Einsatz gezielt steuern, werden effizienter, schneller und günstiger — während Ihr Unternehmen stillsteht.

Risiken

Fehlende Transparenz bedeutet auch fehlende Kontrolle darüber, welche Daten wo gespeichert werden. Mit dem revidierten Schweizer Datenschutzgesetz (DSG) ist das kein theoretisches Problem mehr: Wer nicht weiss, welche SaaS-Tools im Unternehmen genutzt werden, kann nicht sicherstellen, dass für alle entsprechende Verträge und Datenschutzgarantien vorhanden sind.

Der einfachste Selbsttest

Sie brauchen keine aufwändige Analyse, um ein erstes Gefühl für Ihre Situation zu bekommen. Stellen Sie sich drei Fragen:

01
Inventar

Können Sie heute, ohne jemanden zu fragen, alle laufenden Software-Abonnemente Ihres Unternehmens inklusive Kosten aufzählen?

02
Ghost-Lizenzen

Wissen Sie, wie viele Lizenzen für Mitarbeitende laufen, die Ihr Unternehmen in den letzten zwei Jahren verlassen haben?

03
Innovations-Anteil

Kennen Sie den Anteil Ihres IT-Budgets, der in Innovation fliesst — im Unterschied zu dem, was schlicht den Betrieb am Laufen hält?

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen nicht mit Sicherheit beantworten können, haben Sie einen blinden Fleck. Und blinde Flecken kosten Geld — jeden Monat, still und automatisch.

Was Unternehmen mit guter IT-Kostentransparenz anders machen

Es braucht kein grosses IT-Department und keine teuren Tools, um die Kontrolle über IT-Kosten zu behalten. Unternehmen, die das gut machen, haben in der Regel drei einfache Dinge im Griff:

Das klingt wenig spektakulär. Es ist auch wenig spektakulär. Aber es ist der Unterschied zwischen einer IT, die das Unternehmen kostet, und einer IT, die das Unternehmen voranbringt.

Der erste Schritt

Sie müssen heute nicht alles wissen. Aber Sie sollten heute den ersten Schritt machen.

Bitten Sie Ihre Finanzbuchhaltung, alle wiederkehrenden Zahlungen der letzten 12 Monate zu exportieren und nach Software, Cloud-Diensten und IT-Dienstleistungen zu filtern. Addieren Sie die Summe. Teilen Sie sie durch die Anzahl Mitarbeitenden.

Die eine Zahl

IT-Kosten pro Mitarbeitender pro Jahr. Sie sagt mehr über den Zustand Ihrer IT als jeder Technikbericht. Schweizer KMU-Durchschnitt: CHF 3'000 bis 4'000. Wenn Ihre Zahl deutlich darüber liegt, wissen Sie, wo zu suchen ist. Wenn Sie die Zahl gar nicht berechnen können, wissen Sie das auch. Beides ist ein Anfang.

Dies ist Artikel 2 einer fünfteiligen Blog-Reihe über IT-Kosten in Schweizer KMU. Den taktischen Auftakt für IT-Verantwortliche finden Sie unter SaaS-Wildwuchs stoppen. Im nächsten Artikel zeigen wir, welche fünf Kennzahlen CFOs kennen müssen, um IT-Kosten wirklich zu steuern.
JW
Über den Autor
Jodok Wegmüller
Senior Consultant · TCOYLA

Jodok begleitet Schweizer KMU bei der Analyse und Optimierung ihrer IT-Kosten. Sein Fokus liegt auf pragmatischen Lösungen, die ohne grossen Overhead funktionieren — von der ersten Bestandsaufnahme bis zur dauerhaften Steuerung.

Wie viel zahlt Ihr KMU wirklich?

Berechnen Sie in unter 2 Minuten Ihr persönliches Einsparpotenzial.